Es war Juni und ich verbrachte meine Ferien in Istrien. Tiger-Lilly – damals noch nicht einmal ein Jahr alt – war jeden Tag bei mir rund ums Haus. Sie liess sich inzwischen ein wenig streicheln, war aber ansonsten noch alles andere als eine domestizierte Hauskatze.
Dass sie Junge haben könnte? Auf diese Idee wäre ich im Leben nicht gekommen.
Eigentlich wollte ich nur vorsorgen
In der Woche vor meiner Rückreise in die Schweiz beschloss ich, Tiger-Lilly kastrieren zu lassen. Schliesslich wollte ich im September nicht zurückkommen und feststellen, dass aus einer Tiger-Lilly inzwischen eine ganze kleine Tiger-Lilly-Familie geworden war.
Gesagt, getan. Tiger-Lilly eingefangen, zum Tierarzt gebracht, kastrieren lassen und am nächsten Tag wieder in ihre vertraute Umgebung entlassen.
Und dann kam sie.
Nicht allein.
Hinter ihr tauchte plötzlich ein winziges schwarz-weisses Knäuel auf.
Mich hat fast der Schlag getroffen.
Meine frisch kastrierte Tiger-Lilly war längst Mama.
Und plötzlich war da Leo
Der Kleine war mit Sicherheit nicht älter als vier Wochen. Er konnte zwar bereits selbständig fressen – aber damit war sein Überleben noch lange nicht gesichert.
Dafür war er schlicht zu klein.
Das Leben einer Streunerkatze hat wenig mit den romantischen Bildern zu tun, die man in den Ferien manchmal vor Augen hat. Wo viele Katzen um Futter kämpfen, bleibt für die Kleinsten oft nichts übrig. Sie sind zu langsam und können sich gegen die Grossen noch nicht durchsetzen. Und auch unkastrierte Kater können für einen kleinen Kater zur Gefahr werden.
Das ist die Realität.
Wenn irgendwo etwas passiert, von dem ich nichts weiss, muss ich damit leben. So schwer mir das manchmal fällt.
Aber wenn ich davon weiss, kann ich nicht einfach wegschauen.
Und ich wusste, dass ich wenige Tage später zurück in die Schweiz fahren würde.
Also brauchte das kleine schwarz-weisse Knäuel einen Namen – und ich einen Plan.
Ich nannte ihn Leo, den Kämpfer.
Manchmal hält sich das Leben nicht an Grundsätze
Eigentlich ist genau das nicht das Ziel von help4cats. Ich möchte nicht Katzen aus Istrien einsammeln und in die Schweiz bringen.
Ich möchte ihnen dort helfen: mit Kastrationen, Futter und, wenn nötig, medizinischer Versorgung. Damit sie in ihrer vertrauten Umgebung leben können – und damit es langfristig weniger Streunerkatzen gibt.
Aber manchmal hält sich das Leben nicht an Grundsätze.
Bei Leo gab es für mich in diesem Moment keine andere Lösung.
Also trat der kleine Leo kurzerhand die Reise in die Schweiz an.
Aus dem kleinen Kämpfer wurde ein Superkater
Heute lebt Leo in einem wunderbaren Zuhause.
Aus dem winzigen Kerlchen, das damals beinahe unsichtbar zwischen trockenem Gras sass, ist ein absoluter Superkater geworden.
Und wer nun denkt, damit sei Leos Geschichte zu Ende …
… kennt Leo noch nicht. 😊
Von ihm gibt es noch einiges zu erzählen.
